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Blog, 11.06.2007
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11. Juni 2007
Überraschungen
Ich liebe Überraschungen! Doch wenn Überraschungen vorab angekündigt werden, dann könnte dies für mich als auch für den Überraschenden in Stress ausarten. Denn ich bin unheimlich neugierig und das bedeutet für jeden, der mich überraschen möchte, eine ständige Plage.
Kürzlich rief mich meine Tante an und meinte, ich solle mir den 9. Juni – einen Samstag – frei halten. OK, das tat ich dann auch. Das Gleiche galt auch für meine Schwester. Samstagabend sollten wir an einen noch geheimen Ort in München kommen. Meine Schwester und ich starben vor Neugier und löcherten meine Tante ständig. Ich stellte Fangfragen. Da ich einen Restaurantbesuch vermutete, fragte ich: „Soll ich hungrig oder satt zum geheimen Ort kommen?“ „Hungrig.“, war die Antwort. Ich überlegte, und kam zu dem Ergebnis, dass es sich hierbei zwar um eine Nahrungsmittelaufnahme handeln würde, aber wie ich meine Tante kannte, steckte noch mehr dahinter. Vielleicht ein Kochkurs? „Muss ich bequemes Schuhwerk tragen, weil ich viel stehen muss, oder dürfen es auch unbequeme, dafür aber hübsche Schuhe sein?“ Meine Frage fand ich taktisch unheimlich gut gewählt. „Zieh an, was du willst – mach dich aber nett zurecht.“ Ha, also kein Kochkurs. Ein Krimidinner vielleicht oder ein Dinner im Dunkeln?
Ich forstete im Internet sämtliche Veranstaltungsseiten durch, um heraus zu finden, was am 9. Juni in München geboten war. Ich fand nichts, was zu den Aussagen meiner Tante passte. Als ich meine Tante besuchte, blickte ich unauffällig auf den großen Kalender, der an der Wand hing. 9. Juni – da stand nichts vermerkt! Donnerstag erfuhr ich, dass mein Vater mich nach München bringen würde. Gab es dort, wo ich hingebracht wurde, vielleicht Alkohol? Und zwar in großen Mengen, so dass mein Vater als Chauffeur einspringen musste? Eine Weinprobe gar? Ich bekam auf alle meine Fragen keine Antworten. Am Samstag kam also mein Vater um kurz vor sechs Uhr und wir fuhren los. Durch München kurvend erklärte er mir, die einzelnen Gegenden, fuhr am Maria-Hilfs-Platz vorbei und hielt kurz darauf vor einem großen Gebäude. „Wir haben noch etwas Zeit – hier können wir etwas trinken“, meinte er. Ich erkannte, dass wir uns am Nockherberg befanden. Sämtliche Alarmglocken läuteten. Hier kochte doch der TV-Koch Andreas Geitl – und dort beabsichtigte meine Tante, einen Kochkurs zu belegen. Aber sicher nicht heute. Vielleicht wollte sie uns nur hier ausführen.
Wir fuhren in die Tiefgarage. Dort erblickte ich auch gleich das Auto meiner Tante. War sie schon da? Als wir durch das Restaurant gingen und mein Vater eine Angestellte nach dem „Kochkurs“ fragte, platzte die Bombe. Meine Tante hatte einen Kochkurs belegt und wir waren eingeladen, die zubereiteten Gerichte zu genießen. Meine Schwester kam ebenfalls hinzu. Auch mein Vater blieb. Andreas Geitl begrüßte uns, die „Kochschüler“ kamen dazu und – welch Überraschung – darunter befanden sich nicht nur meine Tante, sondern auch meine Cousine und meine Mutter. Wir wurden in die Küche geführt, durften diese besichtigen, bekamen einen Aperitif und gingen alle gemeinsam – die Kochschüler, wie auch deren geladene Gäste – in einen kleinen Saal, in dem herrlich dekorierte Tische standen. Hier erfuhren wir alles, was wir noch nicht wussten: meine Tante hatte meine Mutter und meine Cousine ebenfalls eingeladen. Sie alle waren bereits seit 14.00 Uhr da und kochten ein Mehr-Gänge-Menü für die von ihnen eingeladenen Gäste, welches sie auch servierten. Während des Kurses durfte jeder in jedem Bereich arbeiten. Wir bekamen ein wunderbares Menü serviert und schlemmten bis Mitternacht. Anschließend erhielten die Kursbesucher der exquisiten Küche eine „Auszeichnung“. Ein gelungener Abend in einer herrlichen Umgebung mit einem exklusiven Menü! Dafür hatte es sich wirklich gelohnt, tagelang erfolglos mit unbefriedigter Neugier nach des Rätsels Lösung zu suchen.